Hundeerziehung – Hundetraining Tipps & Tricks vom Profi!

Hund und Mensch haben eigentlich eine völlig unterschiedliche Art der Kommunikation. Aber ihr soziales Verhalten ähnelt einander. Dadurch ist es möglich, mit der geeigneten Hundeerziehung dem Hund Regeln aufzustellen. Hundeerziehung ist auch aus einem weiteren Grund wichtig. Nur ein erzogener und somit folgsamer Hund bewahrt bei der Begegnung mit anderen Hunden und Menschen die Ruhe. Somit dient Hundeerziehung auch der Sicherheit Außenstehender.

Warum Hundeerziehung wichtig ist

Hunde ohne Erziehung scheinen in vielen Fällen unberechenbar zu sein. Das liegt daran, dass sie sich ohne festgelegte Regeln unsicher fühlen. Viele Verhaltensweisen solcher Tiere entstehen mit dem Wunsch, Lob zu erfahren oder dies als unerwünscht zu erkennen. Bei der Hundeerziehung lernen Hund und Mensch, wie sie deutlich und angenehm miteinander kommunizieren können. Hundeerziehung ist aus diesen folgenden drei Gründen unentbehrlich:

Verständnis durch Kommunikation

Die menschliche Sprache ist für den Hund nicht mehr als unverständliches Bellen. Welpen lernen schon früh, manche dieser vermeintlichen Belllaute als Anweisung, Zuspruch und Kommunikationsversuch zu verstehen. Aber Hunde haben eine viel eindeutigere Kommunikationsform: Die Körpersprache. Menschen besitzen diese Körpersprache auch. Jedoch sind wir Menschen überhaupt nicht achtsam genug, um stets Missverständnisse gegenüber unseren Hunden vermeiden zu können. Deshalb gehören beim Besuch einer Hundeschule oder beim Training zu Hause Lektionen über die richtige Benutzung des Körpers dazu.

Und das funktioniert?

Der beste Erfolg der Hundeerziehung zeigt sich bei manchen Gassigängern und ihren scheinbar unsichtbar angeleinten Hunden. Solche Hund-Mensch-Paarungen haben eine so stark aufeinander eingestellte Körpersprache, dass ausgesprochene Kommandos kaum nötig sind. Der schlechteste Erfolg tritt dann ein, wenn der Mensch zwar die Körpersprache seines Hundes studiert, sich selbst aber trotz Training weiterhin unachtsam verhält. In der „goldenen Mitte“ beider Erfolgsseiten liegt der gelassene, sichere und unmissverständliche Umgang zwischen Hund und Hundebesitzer.


Regeln in der Rangordnung

Immer wieder kommt es in Familien zu Beißvorfällen – scheinbar aus dem Nichts heraus. Schuld daran kann eine nicht geklärte Rangfolge im Mensch-Hund-Rudel sein. Hunde in solchem Umfeld werden immer wieder versuchen, von sich aus eine Rangordnung zu bilden. Daher sollten in die Hundeerziehung alle Familienmitglieder sowie regelmäßige Gäste einbezogen werden. Denn auch ihnen gegenüber kann ein unsicherer Hund solche Rangdiskussionen austragen.

Wann ist die Rangordnung unklar?

  • Wenn der Hund neu in die Familie kommt
  • Wenn Kinder in das bestehende Mensch-Hund-Rudel hineingeboren werden
  • Bei längerer Abwesenheit eines Familienmitglieds
  • In Trennungssituationen
  • In Familien mit generell ständig wechselnden Rollen
  • Nach einem Umzug
  • Beim Zugang weiterer Haustiere (vor allem Hunde)

Im Laufe eines Hundelebens gibt es wenigstens drei der genannten Situationen mindestens einmal, eher öfter. Hat der Hund aber durch die richtige Erziehung früh seinen Platz im Rudel bekommen, genügt es später, diesen Rang bei jedem Diskussionsversuch ohne Gewalt, aber bestimmt wieder zuzuweisen. War dies bislang nicht der Fall, sollte sofort bei ersten Auseinandersetzungen ein entsprechendes Training beginnen.


Verhaltensstörungen vorbeugen

Glückliche Hunde sind meistens gelassen, zuverlässig und sichtlich gut gelaunt. Aber durch Faktoren wie Unterforderung, Einsamkeit oder Gewalterfahrung kann sich dies ändern. Verhaltensstörungen sind keine Krankheit, sondern der Versuch des betroffenen Hundes, auf sein aktuelles Unglück aufmerksam zu machen. Auch aus diesem Grund sind Rangklarheit und deutliche Körpersprache wichtig. Allein diese beiden Faktoren können Verhaltensstörungen für ein ganzes Hundeleben vorbeugen.

Aber was, wenn es schon eine Verhaltensstörung gibt?

Manche falschen Verhaltensweisen hat sich ein Hund über Jahre antrainiert, etwa intensives Bellen, Angstschnappen oder Jaulen bei Einsamkeit. Es ist viel Geduld bei diesem Teil der Hundeerziehung nötig. Doch auch dies gelingt, selbst bei bereits sehr alten Hunden. Denn auch ein verhaltensgestörter Hund WILL lernen. Der Mensch genießt stets die volle Aufmerksamkeit des Hundes. Dies lässt sich nutzen, weil bei der Umkonditionierung ebenso große Aufmerksamkeit zum Hund zurückkommt. Dies motiviert diesen und lässt ihn rasch begreifen, welche Verhaltensweise stattdessen größere Chancen auf Lohn und Leckereien bietet.


Hundetraining für die Grundregeln des Zusammenlebens

Der Umgang von Hunden untereinander ist streng. Dies ist ihrer Natur als Raubtier geschuldet. Ohne klare Grundregeln würde kein Rudel in freier Natur überleben. Der gleiche Respekt für Artgenossen muss im Zusammenleben mit Menschen ebenso gefördert werden. Natürlich sind für ein angenehmes Miteinander im Mensch-Hund-Rudel andere Grundregeln wichtig:

Stubenrein werden

Welpen lernen schon mit wenigen Tagen, ihren Schlafplatz und später ihren kompletten Wohnbereich sauber zu halten. Beim Zuzug in ein Mensch-Hund-Rudel sind sie plötzlich mit mindestens dieser Situation konfrontiert:

  • Sie können die Körpersprache der Menschen noch nicht deuten.
  • Sie haben Angst vor dem menschlichen „Gebell“ – ist es gefährlich?
  • Sie sind von fremden Gerüchen, Geräuschen und optischen Reizen überfordert.
  • Sie müssen sich vom früheren Rudel erst auf dieses neue Rudel einstellen.
  • Sie haben noch nicht die körperlichen Voraussetzungen, für mehrere Stunden sauber zu bleiben.

Stubenrein sind Welpen umso schneller, je intensiver ihnen die fremde Situation vertraut wird. Jetzt ist die beste Zeit für den Beginn der Hundeerziehung zur Stubenreinheit. Denn junge Hunde mögen keine unsaubere Umgebung. Sie leiden unter jedem „Unfall“ und sind, wenn es erst einmal klappt, ebenso glücklich wie die Besitzer.

Angst abbauen durch Vertrauen

Angst ist im Hunderudel ein wichtiges Überlebenselement. Aber sie muss im vernünftigen Verhältnis zu Liebe stehen. Sobald Angst die Gefühlswelt von Hunden dominiert, wird sie für andere Hunden und Menschen zum Verletzungsrisiko. Die Wesenseinschätzung „Angstbeißer“ lässt sich zu 80 % auf fehlende, falsche oder nachlässige Hundeerziehung zurückführen. Solange ein Hund Angst hat, greift er lieber an, als sich zurückzuziehen. Er lebt in Anspannung, weil er nicht nur Angst vor dem Umfeld, sondern auch vor seiner eigenen Angst hat. Der Angstabbau gelingt bereits zu Beginn des entsprechenden Trainings durch gelassenes statt aufgebrachtes menschliches Verhalten.

Je weniger der Mensch auf Angstzeichen seines Hundes eingeht, desto stärker kann er ihm Alternativen bieten. Lange Spaziergänge eignen sich hervorragend zum Vertrauensaufbau, allerdings nur ergänzend zu deutlicher Kommunikation, dem Einüben von Kommandos und dem Erarbeiten von „Vertrauensaufgaben“. Den besten Erfolg versprechen Trainingseinheiten zur Desensibilisierung. Dabei erlebt der Hund bisherige Angstsituationen so, dass er sie bestenfalls nach einer Weile als weniger ängstigend einstuft.

Regeln üben für sicheren Umgang mit Fremden

Springende Hunde am Bein, schnappende Hunde an der Haustür oder überfreundliche „Schoß-Sitzer“ sind für das Miteinander zwischen dem Mensch-Hund-Rudel und Außenstehenden ein Ärgernis, teilweise mit Verletzungsrisiko. Deshalb gehört Hundeerziehung in Sachen „Knigge für Hunde“ zu den Grunderziehungsmaßnahmen. Die spätere Größe des Hundes spielt dabei keine Rolle. Wichtig ist, dass sich Besuch im Wohnbereich frei bewegen kann. Ebenso wichtig ist für den Hund, dass er erfährt, wie er sich Fremden und Freunden gegenüber verhalten soll. Manche Regeln variieren bei Hundebesitzern, andere sollten Grundprogramm für jeden Hund sein.

Wichtig ist das entsprechende Training auch für Urlaubszeiten mit dem Hund oder für Aufenthalte bei anderen Menschen. Fremde dürfen von Hundebesitzern und deren vierbeinigen Begleitern ein angemessenes Verhalten erwarten. Was als angemessen gilt, ist wie beim Verhalten daheim zum Teil überall gleich, zum Teil in Situationen unterschiedlich. Auch nach erfolgreicher Hundeerziehung zu diesem Bereich bleibt es Aufgabe des Hundebesitzers, Verhaltensfehler möglichst rasch zu korrigieren und das einmal positiv Erlernte zu wiederholen.

Allein bleiben leicht gemacht

Den Zustand des Alleinseins kennt ein Welpe überhaupt nicht. Immer sind entweder die Hundeeltern oder wenigstens die Hundegeschwister da. Beim Einzug in ein neues Menschen-Hunde-Rudel können schon wenige einsame Minuten zu fürchterlicher Einsamkeit mit entsprechendem Hilferuf oder Panikverhalten führen. Das Training des Alleinseins ist daher neben der Stubenreinheit eine der ersten Grundleistungen in der Hundeerziehung. Möglichst positive Erfahrungen bei den ersten Trainingseinheiten erleichtern es den Welpen, sich allmählich mit der Situation zu arrangieren. Ein erwachsener Hund, der das Alleinsein noch nicht kennt, wird lebenslang damit Probleme haben.

Aber es ist mit der richtigen, sanften Methode möglich, auch einem solchen Hund wenigstens ein bis drei Stunden der Einsamkeit anzugewöhnen. Ziel der Hundeerziehung hierfür ist es, dass der Hund nun weder bellt noch sein Heim beschmutzt noch zu vandalieren beginnt. Aber auch nach erfolgreichem Training sollten sich Hundebesitzer immer darum bemühen, dass einsame Zeiten für den vierbeinigen Mitbewohner kurz bleiben. Denn das Ausharren während der Abwesenheit der Menschen bleibt für jeden Hund ein Verhalten wider seine Natur.

Leinenführung

Ein Hund, der an der Leine zieht, macht jeden Gassigang zum Kraftakt. Das gilt für den Hundebesitzer, der von der nötigen Gegenkraft am Ende der Leine schnell ermüdet. Es gilt ebenso für den Hund, der sich selbst durch den kräftigen Zug entkräftet. In der Hundeerziehung spielen Kommandos, Körpersprache und Leine in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Denn hat der Hund einmal den Zweck der Leinenführung begriffen, lässt er sich damit besser in die gewünschte Richtung führen. Gleichzeitig kann der Spaziergang an der Leine genutzt werden, um weitere Kommandos mit Stimme und Körpersprache zu vermitteln.

Interessanterweise müssen nicht nur Hunde eine ordentliche Leinenführung lernen. Manche Hundebesitzer versuchen ihrerseits, durch Zug den Hund in ihre Richtung oder von einer Situation wegzubringen. Das kann aber dieses unerwünschte Verhalten eher verstärken. Bei der Hundeerziehung in einer Hundeschule oder beim Training mit Hilfe von Onlineanleitungen werden alternative Möglichkeiten einstudiert, welche sowohl für Hunde als auch deren Besitzer zwanglos, eindeutig und erfolgreich sind.


Hunde erziehen: In welchem Alter?

Beim Menschen gibt es die Weisheit „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“ Bei Hunden stimmt das so drastisch nicht. Trainingsversuche mit Hundesenioren zeigen, dass durch motivierende Hundeerziehung selbst Hunde von zwölf bis 15 Jahren noch aufmerksam genug für neue Verhaltensweisen sind. Aber natürlich ist es aufgrund der natürlichen Neugier viel leichter, Welpen zu erziehen als Hundesenioren. So staffelt sich die Hundeerziehung bei Hunden nach Erziehungsstrategien und Hundealter:

Grunderziehung von Welpen

Natürlich sieht es niedlich aus, wenn Klein-Bello seinem Hundebesitzer im Spiel die Schnürsenkel öffnet oder sich Hundemädel Nana den Teppich Franse für Franse anschauen möchte. Doch solche und andere unangenehme Dinge tun Welpen, um ihre Grenzen kennenzulernen. Sie verstehen dabei unter Grenze nur ignoriertes und belobigtes Reagieren der Hundebesitzer. Also ist es sofort nötig, die Welpen in jedem einzelnen Punkt entweder vom unerwünschten Verhalten abzuhalten oder ein erwünschtes Verhalten als erlaubt zu belohnen.

Im Welpenalter helfen auch schon Kommandotrainings, die Kommunikation zwischen Mensch und Hund zu vereinfachen. Junge Hunde lieben einfach jeden Wimpernschlag ihrer neuen Besitzer. Selbst kleine „Sturköpfe“ reagieren bis etwa sechs oder neun Monate äußerst schnell auf die Hundeerziehung. Grundsätzlich können Welpen komplett daheim erzogen werden. Es gibt hierfür

  • Anleitungen im Internet,
  • TV-Sendungen mit Erziehungs- und Erfolgsbeispielen sowie
  • Welpenschulen.

Als optimal erweist sich die Kombination aus der häuslichen Erziehung und dem Besuch einer Welpenschule. Denn die soziale Erziehung von Hund zu Hund kann nur in der Gemeinschaft erlernt werden.

Hundeerziehung für „Fortgeschrittene“

Im Alter von sechs bis neun Monaten haben Hunde bereits eine Reihe Lebenserfahrung gesammelt. Hinzu kommt die Geschlechtsreife, die vorübergehend zu unerwünschtem Verhalten gegenüber Artgenossen und Menschen führen kann. Jetzt gilt es in der Hundeerziehung bereits, unerwünschtes Verhalten zu unterbinden. Das hat auch Sicherheitsgründe: Ein unsicherer Hund kann sich zum Panikbeißer entwickeln, ein unterforderter Hund zum Vandalen in einsamen Zeiten werden. Besser wird genau jetzt solche Unsicherheit durch gezieltes Training unterbunden. Spätestens in diesem Lebensabschnitt sollten junge Hunde auch auf Situationen trainiert werden, die sie von vornherein als unsicher bis gefährlich einstufen. Dazu gehören

  • dicht befahrene Straßen neben dem Spazierweg,
  • laute Wohnumgebungen,
  • Menschenmassen (beispielsweise auf Märkten) oder
  • noch unbekannte Dinge wie Brücken mit Lücken zwischen den Brettern, Treppen, Fahrstühle und ähnliches.

Je früher Hunde diese Situationen als harmlos kennenlernen, desto gelassener werden sie später einmal im gemeinsamen Urlaub oder bei Wohnungswechsel darauf reagieren.

Erwachsene Hunde erziehen

Den Hauptanteil bei der Hundeerziehung erwachsener Hunde macht das Abgewöhnen aus. Diese Vierbeiner haben entweder bisher falsche oder keine Regeln kennengelernt, oder sie haben sich unerwünschtes Verhalten aus Unzufriedenheit angewöhnt. Es heißt jetzt also, die Ursachen zu erforschen, nach Möglichkeit zu beseitigen und das Verhalten durch Training zu verändern. Auch harmlose Verhaltensweisen wie an der Leine ziehen, Schuhe kauen oder an der Tür kratzen, viel Bellen oder gelegentliche Unsauberkeit trotz ausreichend Gassi müssen ernstgenommen werden. In einigen Fällen müssen erwachsene Hunde einen normalen, sicheren Umgang im Menschen-Hunde-Rudel erst erlernen.

Das können Tierheimhunde mit vorheriger Gewalterfahrung oder Hunde aus vernachlässigter Haltung sein. Bei ihnen erfordert die Hundeerziehung viel Geduld. Doch es lohnt sich, denn mit jedem neu erlernten, erwünschten Verhalten gewinnen solche Hunde an Sicherheit. Sie sind bei allen Altersgruppen in der Hundeerziehung oft die dankbarsten Schüler auf vier Pfoten. Denn mit dem Training erweitert sich ihre Lebensperspektive. Mit der abnehmenden Angst wächst die Neugier und schließlich die nötige Sicherheit in allen Lebenslagen.


Hundeerziehung bei vorhandenen Unsicherheiten

Manchmal kristallisiert sich erst nach einer Weile ein unerwünschtes Verhalten beim Hund heraus. Gegen Schreckhaftigkeit, Unsicherheit in fremder Umgebung oder auffälliges Verhalten müssen möglichst sofort Erziehungsmaßnahmen unternommen werden. Dabei spielen Desensibilisierung, Lernarbeit in beängstigender Umgebung sowie Beschäftigung eine wichtige Rolle. In einigen Fällen muss die Hundeerziehung dann auch durch eine Verhaltens- oder Umfeldveränderung des Menschen begleitet werden:

Desensibilisierung von Angsthunden

Angst drückt sich bei Hunden durch verschiedene Signale der Körpersprache heraus. Eines dieser Signale ist lautes, dauerhaftes bis panisches Bellen in Schrecksituationen. Aber auch rasches Schnappen bei unerwarteter menschlicher Reaktion ist möglich. Möglichst gleich im Welpenalter sollen gerade erkennbare Angsthunde deshalb viele neue Dinge kennenlernen, stets in Verbindung mit klaren Kommandos für das richtige Verhalten. Dieser Prozess einer Gewöhnung in Verbindung mit Kommandos heißt Desensibilisierung. Das bedeutet, dass sich der Hund an der Seite seiner Besitzer allmählich an Situationen gewöhnt, die ihm bisher Angst gemacht haben.

Desensibilisierung ist auch noch bei erwachsenen Hunden möglich. Jetzt erfordert die Gewöhnung allerdings mehr Geduld. Denn häufig ist der Grund solcher Angst ein Erlebnis aus dem Welpenalter oder dem bisherigen Leben. Ein Vermeiden von Schreck- und Paniksituationen darf keine Dauerlösung bleiben. Denn nur, wenn die Angst sich verringert, ist einem Angsthund ein angenehmes Leben ohne Daueranspannung möglich. Für den Menschen bedeutet der Erfolg einer Desensibilisierung ebenfalls einen entspannteren Alltag mit Hund.

Stadt und Verkehr üben

Hunde haben äußerst empfindsame Sinne. Gerade im Welpenalter mischt sich in die Neugier auf Eindrücke die Angst vor Überforderung. Der erste Spaziergang entlang eines Bürgersteigs kann da schon einmal die Nerven der kleinen Vierbeiner blanklegen. Die Grenze zwischen Bürgersteig und Straße muss er erst kennenlernen. Wo dies lokal möglich ist, sollte der Weg zur Hundeschule gleich an solchen Situationen zu Fuß vorbeiführen. Denn Stadt und Verkehr üben gelingt bei jungen Hunden auf diese Weise am positivsten: Sie fürchten sich zwar vor optischen und akustischen Eindrücken, können dies aber spätestens bei der ersten Wiederholung mit der Vorfreude auf die anderen Welpen kompensieren.

Zur Hundeerziehung für Hunde in der Stadt gehören unbedingt auch Kommandos wie „Sitz“ an der Ampel und „Komm“ beim Umschalten, die Leinenführung sowie der gelassene, lautlose Gang an Menschengruppen oder Artgenossen vorbei. Selbst für Hundebesitzer bedeuten Stoßzeiten im städtischen Alltag manchmal Stress. Hunde können Stress aber ohne Übung kaum ohne riskante Reaktionen ausgleichen. Allerdings muss die Übung „Straße und Verkehr“ auch Hunden in ländlichem Lebensraum beigebracht werden.

Neue Aufgaben gegen Unterforderung

Hunde sind äußerst aktive Wesen, aus der Sicht des Menschen betrachtet. Aus ihrer eigenen Sicht sind sie eher faul. Dieses Missverständnis beruht auf dem unterschiedlichen Zeitablauf eines Hunde- und Menschenlebens. Eben deshalb geschieht es nicht selten, dass ein Hund eine Aufgabe erwartet, aber keine bekommt, weil der Mensch seine Unterforderung nicht erkennt. Unter der Vorstellung „Aufgabe“ versteht ein Hund bereits so einfache Dinge wie

  • auf einen Gegenstand aufpassen, während der Besitzer nicht da ist,
  • beim Spaziergang Dinge apportieren oder
  • bei einem Klingeln an der Haustür still zu bleiben statt zu bellen.

Welche Aufgabe einen Hund zu einer positiven Reaktion bewegt, unterscheidet sich individuell. Dabei spielt auch die Rasse – selbst bei Mischlingen – eine Rolle. Immerhin wurden klassische und moderne Hunderassen speziell für Aufgaben wie

  • Wachen,
  • Begleiten,
  • Beschützen,
  • Jagen,
  • Hüten oder
  • Finden

gezüchtet. Die Hundeerziehung im Sinne einer Aufgabe gelingt deshalb sehr gut, wenn beim Training rassetypische Vorlieben berücksichtigt werden.


Spiel und Spaß – das liebste Lebensgefühl von Hunden

Bei allen Aspekten der Hundeerziehung bleiben klassische Diskussionen über Lohn und Strafe nicht aus. Wer Hunde gut kennt und mit den eigenen Vorlieben vergleicht, wird dies aber als längst überholt erkennen. Vielmehr braucht ein Hund jeden Alters nur die Bestätigung dafür, dass er etwas gerade richtig macht. Schimpfen oder Schlagen bei unerwünschtem Verhalten führt dagegen nur zur Verstärkung von Angst. Moderne Hundeschulen, Tierpfleger und Tierbesitzer wissen aber: Angst erschwert die Lernarbeit. Denn Angst ist die schlimmste Form von Unsicherheit. Selbst alte Hunde mit schlimmer Vergangenheit lernen spielerisch wieder neue Dinge.

Spaß stärkt Vertrauen und hilft über Unsicherheiten hinweg. Um genau dieses Spiel-und-Spaß-Prinzip sollte es in der Hundeerziehung gehen. Immerhin schaffen sich Hundebesitzer einen Hund überwiegend wegen der Vorteile dieser besonderen Beziehung an. Selbst Diensthunde geben für positive Lernerfahrung in der Hundeerziehung ein Vielfaches an Freude zurück, sobald das Training erfolgreich war. Dies sollte bei jedem Detail der Erziehung in jedem Hundealter berücksichtigt werden. Immerhin erleichtert es die Kommunikation grundlegend, weil Freude auch beim Menschen den Lernerfolg automatisch verbessert.


Beliebte Trainingsvarianten für besonders agile Vierbeiner

Vor allem für unterforderte Hunde kann eine Hundesportart eine Ergänzung zur Hundeerziehung darstellen. Dabei sollte auf rassetypische und charakterabhängige Vorlieben des Hundes eingegangen werden. Soweit der Hundesport nur dem Spaß statt dienstlichen Zwecken dient, stärkt das Training nebenbei die innige Verbindung zwischen Hund und Mensch. Besonders populär sind aktuell diese Sportangebote:

Sportliche Herausforderung beim Agility

Ihrer Rasse gemäß haben viele Terrier-Rassen oder Mischlinge mit Terrierbeteiligung einen enormen Bewegungsdrang. Damit verbunden ist meist eine besondere Lernfreude. Die Entwickler der Hundesportart „Agility“ nehmen auf dieses Interesse Rücksicht. Die sportlichen Hunde überwinden Hindernisse, lösen Probleme und sind bei regelmäßigem Training gut aufnahmefähig für neue Kommandos der Hundeerziehung. Die Besitzer profitieren von diesem Angebot bestenfalls mit Pokalen und natürlich dem persönlichen Stolz auf solch einen sportlichen Hund.

Schöne „Arbeit“ für Hunde: Dog Dancing

Beim Dog Dancing bewegen sich Hund und Besitzer choreographisch nach Musik. Lernbereitschaft, körperliche Fitness und Freude an rhythmischer Bewegung sind hierfür bei Hund und Mensch Voraussetzung. Die besten Dog Dancer tragen weltweit bei entsprechenden Turnieren Urkunden und Pokale nach Hause.

Fang- und Bringspiele

Bälle, Fisbeescheiben oder Apportierbeutel sind das Sportgerät bei Fang- und Bringspielen. Diese eignen sich für Vorsteherhunde, Hüterassen und alle such- und bringfreudigen Mischlingshunde sehr gut. Fangen, Bringen oder gar den Gegenstand in ein Tor befördern erfordern gute soziale Konditionierung beim Hund und gleichzeitig ein besonders harmonisches Miteinander zwischen Mensch und Vierbeiner. Es gibt beinahe keinen Hund, der nicht mindestens Stöckchen als Spielzeug ausprobiert. Diese Vorliebe lässt sich für Fang- und Bringspiele gut in das entsprechende Training integrieren.

Fährtenarbeit für Such- und Jagdhunde

Fährten suchen nutzt die moderne Hundeerziehung beispielsweise als Training beim Alleinbleiben. Im Hundesport ist dies eher von Gebrauchshunden im Polizeidienst oder Katastrophenschutz bekannt. Gerade Jagdhunderassen und Mischlinge mit dem Hang zum „Räubern“ bekommen mit der Fährtenarbeit eine Alternative zu unerwünschtem Verhalten. Konzentration, eine feine Nase und unbedingter Gehorsam sind dafür Voraussetzung. Fährtenarbeit verlangt ein sehr gutes Zusammenspiel zwischen Mensch und Hund, vor allem Erfahrung oder Lernbereitschaft der Hundebesitzer, die Fährte des Hundes nicht zu stören.


Hunde richtig erziehen: Fazit

Hunde sind lebenslang lernbereit und vor allem im frühen Leben unendlich neugierig. Daher gelingt Hundeerziehung im Welpenalter am leichtesten. Doch der Wunsch zu lernen und im Rudel alles richtig zu machen, bleibt auch bei alten Hunden stets wach. Somit lassen sich neben den unverzichtbaren Grundregeln auch neue Dinge jederzeit mit Geduld, Anleitung und viel Lob erlernen.