Ansatzweise zeigt jeder Hund das Apportieren aus seinem natürlichen Spieltrieb heraus. Richtig gefördert, stärkt das Apportieren die Bindung zwischen Hundebesitzer und Vierbeiner. Auch ältere Hunde und ansonsten spielfaule Exemplare lieben die neue „Aufgabe“ ab den ersten Erfolgen. Belohnung und Konsequenz sind wichtig dafür.

hund apportieren beibringenDie natürlichen Instinkte als Voraussetzung für Spaß am Apportieren

In der Zuchtgeschichte wurde die Eigenschaft des Apportierens in verschiedene Hunderassen absichtlich hineingezüchtet. Am meisten begeistern sich die Retriever-Varianten

  • Labrador Retriever
  • Nova Scotia Duck Tolling Retriever
  • Chesapeake Bay Retriever und
  • Flat-coated / Curly Coated Retriever

für die aus ihrer Sicht absolut ernstzunehmende “Aufgabe”. Eine Ausnahme ist der Golden Retriever. Seine Weiterzucht zum gelassenen Familienhund lässt viele dieser Hunde eher träge auf den Apportieraufruf reagieren. Übrigens heißt „Retrieve“ zurückbringen, was den Grundcharakter des Findens und Bringens gut beschreibt.

Darüber hinaus ist das Erlernen des Apportierens für Vorstehhunde wie den Kleinen und Großen Münsterländer sowie für Hütehunde wie Deutsch Rollhaar oder Border Collie besonders leicht verständlich. Doch grundsätzlich lechzt jeder Hund nach Jagd- und Bringerfolg, was sich für die Übung optimal nutzen lässt.

Angeborenes Talent fördert den Lernerfolg beim Apportieren

Auch viele Mischlingshunde tragen die Such- und Bringgene von Geburt aus an sich. Generell hilft das Erlernen des Apportierens nicht nur bei der Forderung und Beschäftigung, sondern auch gegen Langeweile beim Alleinsein und gegen allzu stark abgelenkte Charaktere. Bei richtigem Training sind die Hunde bereits beim Anleinen vor dem Gassigang hochkonzentriert, vor allem, wenn sie das Beuteobjekt oder die Belohnung für ihre „Arbeit“ in der Tasche des Hundebesitzers verschwinden sehen.

Träge Hunde oder Hunde, die erst spät mit der Lernaufgabe vertraut werden, lassen sich häufig durch menschliches Beispiel (sieht für Menschen albern aus, ist aber äußerst effektiv beim Vormachen) animieren. Denn Ziel jedes Hundecharakters ist es, dem Besitzer alles Recht zu machen. Objekt der Begierde hinter diesem Bestreben sind Lob, gemeinsame Spielzeit und natürlich kulinarische Belohnung.

Sieben Schritte zum sicheren Apportieren

Wie bei jedem Training muss der Hund begreifen, was er tun soll. Erst dann lassen sich die nötigen Abläufe des Apportierens täglich ausbauen. Die Hund-Mensch-Lektion gelingt mit diesen sieben Trainingsschritten besonders gut, selbst bei Hundesenioren:

Schritt Eins: Geeignete Gegenstände finden

Spaß beim Aufnehmen machen dem Hund Gegenstände, die sich gut mit den Fängen greifen lassen. Zu harte oder zu weiche Dinge würden entweder kein Interesse wecken oder zum „Reißen“ (schütteln und ausrupfen) animieren. Der goldene Mittelweg sind

  • Zerrspielzeuge (Knotenseile, Zerr-Plüschtiere u.ä.),
  • Futterdummys (Reißverschluss-Mappe mit Leckereien als Füllung) oder
  • Tennisbälle.

Noch optimaler sind die ohnehin vorhandenen Lieblingsspielzeuge des Hundes, da er daran längst ein gewohnt hohes Interesse hat. Das Such- und Bringobjekt muss in seiner Größe der Hundeschnauze entsprechen, so dass das spätere Apportiertraining anregend, aber nicht anstrengend ist.

Schritt Zwei: Spannung ins Spiel bringen

Rascheln, Klickern und die scheinbare Spannung des Hundebesitzers beim Umgang mit dem Gegenstand wecken das Interesse des Hundes. Ein Futterdummy wird umso attraktiver, je länger der Hund beim Befüllen zusieht. Leises Knurren beim Alleinspiel mit dem Zerrspielzeug oder intensive Beschäftigung mit dem Tennisball wecken in Hunden etwas, das sich mit menschlichem Neid grob vergleichen lässt.

Während dieser Prozedur bleibt der Hund angeleint und in unmittelbarer Nähe des Geschehens. Das steigert die Spannung, die bei manchen Hunden sogar an einem starken Erzittern des ganzen Körpers zu erkennen ist. Abschließend wird der Vierbeiner für seine geduldige Aufmerksamkeit mit einer Leckerei belohnt, am besten mit der, die nun das eigentliche Training einleitet.

Schritt Drei: Erste Schritte an der lockeren Leine

Am besten lässt sich die Spannung in genau diesem Augenblick ausnutzen. Der Apportiergegenstand fliegt sichtbar für den Hund ein kleines Stück weit weg. Noch immer bleibt der Hund an der Leine. Der Flug wird vom Kommando „Bring“ begleitet. Sobald der Gegenstand aufgenommen ist, wird der Hund durch Klickern oder ein anderes Geräusch gelobt und hergelockt. Steht er mit dem Gegenstand genau vor dem Besitzer, folgt das nächste Lob.

Mit „Aus“ oder anderen, gewohnten Kommandos wird nun der Gegenstand aus der Hundeschnauze abgenommen. Das kann anfangs problematisch sein. Jetzt hilft die Aussicht auf eine Leckerei dabei, den Hund zum Loslassen zu animieren. Ein nächstes Lob plus Futterstückchen folgt sofort nach Abnahme, gerne wieder in Verbindung mit dem geliebten Klick (siehe: Clickertraining).

Schritt Vier: Bekannte Kommandos ohne Leine zum Anlernen nutzen

Nun folgt die Übung aus Schritt Drei ohne Leine. Der Hund macht „Sitz“, der Hundebesitzer entfernt sich wenige Meter. Der Apportiergegenstand wird direkt vor den Füßen des Menschen in Blickrichtung zum Hund abgelegt, der Hund hergelockt.

Er nimmt den Gegenstand auf, wird gelobt, gibt ihn aus den Fängen, wird gelobt und mit Leckereien zusätzlich animiert. Nur sehr wenige Hunde verwechseln Apportieren mit Erbeuten. Spätestens nach dem dritten Versuch ist der Reiz der Leckerei größer als ein Ausreißen mit dem Apportiergegenstand.

Schritt Fünf: Abstand allmählich vergrößern

Der Meterabstand zwischen Hund und Apportiergegenstand wird nun allmählich ausgeweitet. Stets beginnt das Training mit dem Kommando „Sitz“ und dessen korrekter Ausführung. Um nach dem Aufnehmen das Zurückbringen zu trainieren, wird das Wegwerfen immer vom Kommando „Bleib“ begleitet. Der Hund verbindet Flug, „Bring“ und Leckerei rasch mit der Aussicht auf Leckeres sowie auf das begehrte Klicker- oder wörtliche Lob.

Schritt Sechs: Neues Apportierkommando mit den vorhandenen Handlungen verknüpfen

Der Apportierspaß kann nun um neue Kommandos wie „Los“ oder „Her“ oder „Hopp“ oder andere, für den Hund attraktive Aufforderungen erweitert werden. Sobald Bringen und Holen selbstverständlich geworden sind, kann die neue Aufgabe vielseitig erweitert werden, am besten durch Riech- und Suchspiele.

Schritt Sieben: Apportiererfolg durch Erhöhung des Schwierigkeitsgrades

Eine besonders hundgerechte Erweiterung des Apportiertrainings ist das Auffinden und Zurückbringen des versteckten Apportiergegenstandes. Selbst Hunde, die zum Wildern neigen, konzentrieren sich durch die vorigen Schritte mit viel Belohnung deutlich lieber auf den Gegenstand als auf fremde Spuren.

Im besonders fortgeschrittenen Trainingsstadium eignet sich das Apportiertraining sogar zur Umkonditionierung von eigenwilligen Stöberhunden, die ansonsten jeder frischen Spur folgen. Denn ab jetzt ist die frischeste Spur die, welche vom Hundebesitzer gelegt, geworfen oder sonstwie am Weg postiert wird.

Abgelenkte Hunde für das Apportieren begeistern

Übrigens lässt sich Hunden durchaus auch in der Wohnung das Apportieren beibringen. Die Lernfortschritte sind aufgrund begrenzter Raumverhältnisse sogar noch besser. Aber manche Hunde bleiben erst einmal desinteressiert und bringen nur in besonders aktiver Stimmung einen vorgeschlagenen Gegenstand.

Diese Hunde sind durch Kleinigkeiten ablenkbar, vielleicht schon älter und eher lernunwillig. Dennoch werden sie sich mit Rascheln, Üben und Loben allmählich für den Apportiergegenstand und das verlangte Verhalten begeistern. Geduldige Wiederholung oder die Übung mit befreundeten Hunden, die bereits apportieren können, unterstützen die Erfolge langfristig. Lernträgheit bei Hunden ist oft eine Folge von Unterforderung.

Das besondere Hirnjogging durch Apportieren kann auch für andere Trainingsaufgaben einen Grundstein der nötigen Begeisterung legen. Selbst introvertierte, ängstliche Hunde entdecken in vielen Fällen über das völlig risikofreie, komplett lohnenswerte Apportieren ihre innewohnende Neugier teilweise oder vollständig neu.

Vorteile des Trainings gegen die Aufnahme verbotener Gegenstände

Manche Hunde sind beim Spaziergang wahre “Staubsauger”. Doch das Aufnehmen verbotener Dinge am Weg kann lebensgefährlich für die vierbeinigen Feinschmecker sein. Für sie ist das Apportiertraining gleichzeitig ein Weg zu mehr Sicherheit durch weniger Aufnahmesituationen.

Sobald diese Hunde auf den Apportiergegenstand fixiert sind, werden Bröckchen im Gebüsch und Semmelkrümel auf dem Bürgersteig uninteressant. In Verbindung mit den Kommandos „Aus“ und „Bring“ lässt sich der Feingeschmack erfolgreich auf das strikte Ausführen der Apportieraufgabe umlenken.

Fazit

Der Hauptgrund, Hunden das Apportieren beizubringen, ist eine neue Aufgabe mit viel Spaß und spielerischer Festigung der Rudelbindung zum Menschen. Selbst eher uninteressierte Hunde in schon höherem Lernalter lassen sich noch erfolgreich für das Apportieren begeistern. Gleichzeitig mit der neuen Aufgabe kann Hundetraining gegen stöbernde und wildernde Angewohnheiten sowie die Gefahr der Aufnahme unbekannter, fressbarer Dinge am Wegesrand eingesetzt werden.