clickertrainingKurze, gut verständliche Kommandos machen Hunden den meisten Spaß. Beim Clickertraining laufen selbst lernfaule, eigendynamische oder traumatisierte Hunde zur positiven Höchstform auf. Allerdings ist für das Stärken der Motivation durch den Klick große Präzision und gute Aufmerksamkeit gegenüber dem Hundeverhalten nötig.

Warum Clickertraining so effektiv ist

Hunde scannen ihre Umgebung nahezu pausenlos nach Spannendem. Vor allem Gerüche und Geräusche wecken ihre volle Aufmerksamkeit. Bei Geräuschen sind vor allem die kurzen von besonderem Interesse. Denn diese sind eindeutige Signale, auf die jeder Hund sofort reagiert. Ein Quietschen, ein Hupen – oder ein Click interpretiert der jederzeit gespannte Hund mit der Aussicht auf etwas Neues wie ein Spielzeug, Futter oder Gäste.

Dementsprechend lässt sich selbst bei Hunden ohne Clickererfahrung eine sofortige Reaktion auf jeden Klick beobachten. Dösende Hunde sind sofort in Sitzposition mit aufgestellten Ohren, dem Blick in Klick-Richtung und äußerster Körperspannung. Spielende Hunde lassen ihr Spielzeug fallen, um den Verursacher des Geräuschs zu finden.

Auf dieser angenehmen Aufmerksamkeit beruht das Clickertraining. Der Vorteil dieser Lehrmethode ist, dass sie im Gegensatz zu vielen anderen Trainingsmethoden selbst auf betagte Hunde einen raschen Effekt hat. Voraussetzung dafür ist allerdings ein sehr präziser Einsatz des Geräuschs. Auch werden Hunde den Klick nur langfristig lieben, wenn ihm eine Belohnung, also Bestätigung folgt.

Eigene Verhaltensweisen vor Beginn überprüfen

Klarheit ist für Hunde das A und O beim Lernen. Sie selbst drücken sich mit ihrer Körpersprache klar aus. Das Gleiche erwarten sie vom Hundebesitzer. Aber nicht jeder Hundebesitzer kann sich ab Anschaffung seines Hundes auf diese für Menschen untypische Präzision einlassen. Aufmerksamkeit für jede Hundebewegung und ein schnelles Reagieren auf jede erwünschte Handlung sind das Erfolgsrezept bei jeder Trainingsmethode, am wichtigsten beim Klickern.

Also muss der Hundebesitzer zunächst genau beobachten, wie der Hund auf welchen Ausdruck seines Besitzers reagiert. So lassen sich einige Missverständnisse vorab ausräumen. Wer ohnehin viel lobt, hat es beim Trainingsstart mit dem Clicker leicht. Denn der Hund wird dieses kurze, spannende Geräusch mit seiner Erfahrung einer Belohnung verbinden. Hundebesitzer, die durchaus mit Schimpfen auf unerwünschtes Verhalten reagieren, müssen sich das abtrainieren.

Für die nötige Präzision sind Gelassenheit und Konsequenz wichtig. In der Regel ist die Überprüfung der Verhaltensweisen binnen weniger Stunden abgeschlossen. Nun kann gezielt auf das Verhalten des Hundes mit Hilfe des Klickers und ergänzender Belohnungen eingegangen werden.

Die Gunst des Augenblicks nutzen

Bei ohnehin aufmerksamen Hunden ist das Clickertraining eine freudige Bereicherung. Diese Hunde wissen längst, wie sie durch richtiges Verhalten zu ihrer heiß geliebten Belohnung kommen. Bei Hunden mit viel Eigendynamik wirkt das Clickertraining Wunder. Auch die größten Sturköpfe sind in höchster Vorfreude, wenn sie zum ersten Mal den Klick hören.

Ein Trick dabei ist es, den Clicker möglichst unsichtbar einzusetzen. So wird die Hand des Hundebesitzers zum absoluten Objekt der Aufmerksamkeit. Vor allem, wenn der Klick ein erwünschtes Verhalten bestätigt und sofort eine kulinarische oder spielerische Belohnung folgt, laufen selbst Hundesenioren zur Höchstform in jedem Hundetraining auf.

Aber dieser Effekt birgt auch ein Risiko. Denn wird nur einen Bruchteil einer Sekunde zu früh oder zu spät geklickert, bestätigt dies unter Umständen ein unerwünschtes Verhalten.

Ein Beispiel:

Jacky, der Jack Russel, ist wie ein Flummy, wenn Gäste oder Bekannte auftauchen. Er begrüßt jeden und alles mit wildem Hochspringen. Jetzt soll er lernen, dass „Sitz“ die beliebtere Begrüßung ist. Dazu braucht er den Klick genau dann, wenn alle vier Pfoten Bodenkontakt haben.

Ein Klick, wenn er zum nächsten Sprung ansetzt, würde eben dies, den nächsten Anlauf, bestätigen. Ein Klick, bevor alle vier Pfoten auf dem Parkett landen, würde ebenfalls die springende Euphorie begünstigen. Am besten lässt sich der richtige Augenblick mit gut bekannten Mitgliedern im Menschenrudel üben, etwa mit den Kindern, die aus der Schule zurückkommen oder der geliebten Nachbarin.

Einmal richtig bestätigt, wird Jacky schon nach zwei, drei Klicks sitzenbleiben. Selbst ein zehnjähriger oder älterer Hund begreift diese kurze, klare Art der Bestätigung umgehend, da sie seinem innigen Wunsch nach Dauerlob von allen Seiten entspricht.

Mit dem Clicker Spiel und Konditionierung verbinden

Auch gut erzogene Hunde erfahren beim Clickertraining eine willkommene Bereicherung. Hunde wollen lernen, einfach aus Lust auf neue Aufgaben. Das neue Geräusch bedeutet neue Spannung. Der Spaßfaktor kann von Hundebesitzern durchaus zum Einstudieren wenig nützlicher, aber aus Hundesicht lustiger Tricks verwendet werden.

So lernen Hunde ohne Apportiererfahrung, ob sie gerade bestimmte Gegenstände finden und bringen sollen. Springfaule Hunde überwinden flache Hindernisse lieber, wenn der Sprung vom Klick und anschließendem Leckerle belohnt wird. Umkonditionierung ist der ernsthaftere Teil beim Clickertraining.

In der Trainingspraxis lässt sich teilweise beobachten, dass selbst unsichere oder lernunwillige Hunde deutlich motivierter auf den Klick als auf anderen Zuspruch reagieren. Die Kürze der Bestätigung, das Fehlen einer spürbaren Enttäuschung beim Besitzer und natürlich die Spannung auf die nächste Bestätigung sind die Gründe dafür. Der Hund kann praktisch nichts falsch machen, wenn er stets das wiederholt, was ihm der Klick bestätigt hat.

Clickertraining zum Abgewöhnen

Nicht das Ertönen von akustischen Signalen, sondern das Fehlen animiert Hunde mit unerwünschten Verhaltensweisen zur Umstrukturierung.

Bello soll nicht auf das Sofa springen?

Tut er es doch, erfolgt kein Klick. Schaut er hin und wendet sich lieber zum eigenen Körbchen, klickt es sofort bei bemerkter Einsicht. Bald wird das Sofa uninteressant, weil dort niemals das geliebte Geräusch erklingt.

Sissi soll nicht wildern?

Sobald sie in Richtung Wald Anlauf nimmt, passiert – nichts. Zeigt sie ihr Interesse am Wildern, bleibt aber trotz Anspannung beim Besitzer, folgen sofort Klick und Belohnung. Sie wird rasch die Belohnung der frischen Wildspur vorziehen.

Nana soll nicht an der Tür scharren?

Es klickt nur, wenn sie ihren Wunsch anzeigt und still vor der Tür sitzenbleibt. Bei der leichtesten Pfotenbewegung bleibt der Klickton weg. Nach spätestens ein, zwei Stunden ist das unerwünschte Verhalten verschwunden.

Clickertraining zum Angewöhnen

Hunde sind lösungsorientierte Wesen. Jedes auftauchende Problem führt selbst außerhalb des Trainings sofort zum Ausprobieren. Diese Eigenschaft lässt sich wunderbar für ein Clickertraining zum Angewöhnen nutzen. Soll der Hund in bestimmten Situationen stoppen oder loslaufen, muss er ausprobieren, welche dieser Verhaltensweisen den größtmöglichen Erfolg (also Belohnung) verspricht.

Selbst Hunde, die Angst vor dem Überqueren offener Brückenböden über Flüssen haben, überwinden damit die Scheu und laufen bald souverän über die vermeintliche Gefahr. Denn sie lernen den Klick höher zu bewerten als die unruhige Fläche unter sich. Tiertrainer in Tierheimen können auf diese Weise schlecht sozialisierte Hunde deutlich schneller und motivierter an erwünschte Verhaltensweisen gewöhnen.

Ebenso gelingt es Hundebesitzern schneller, unsicheren Hunden Begeisterung am neuen Umfeld einschließlich neuer Regeln beizubringen.

Clickern für neue Aufgaben und lustige Tricks

Wer clickert, lockt aus jedem noch so eigensinnigen Hund das Beste an Einsatzbereitschaft, Anpassung und Lösungsorientierung heraus. Selbst Panikbeißer lassen sich bei geschicktem Einsatz des Geräuschtrainings rasch zu deutlich gelasseneren Mitbewohnern erziehen.

Natürlich ersetzt Clickertraining bei schweren Verhaltensstörungen nicht eine professionelle Hunde-Verhaltenstherapie. Aber der Klicker kann diese Therapie äußerst effektiv unterstützen. Im Vordergrund steht dabei stets der spielerische Aspekt. Kein Hund muss auf das Geräusch achten. Aber wirklich jeder Vierbeiner wird das tun.

Übrigens: Clickertraining wird nicht nur bei Hunden zur Förderung von Höchstleistungen verwendet. Clickerprofis brachten damit schon Delfine zum Ausführen von geheimdienstlichen Unterwasseraufträgen. Raben überflogen mit versteckten Kameras verbotene Fremdzonen.

Diensthunde (Behindertenbegleiter, Polizeihunde oder Minensuchhunde) lernen zügig das richtige Verhalten. Sie entwickeln sogar mit Feuereifer eigene Strategien, um dem erwünschten Verhalten noch besser zu entsprechen.

Fazit

Clickertraining setzt sich im Training und als willkommene Freizeitbeschäftigung immer stärker durch. Der Grund ist der enorme Spaß dieser Verhaltensförderung und die Förderung der Problemlösungsfähigkeiten bei Hunden. Selbst sture und alte Hunde entwickeln dabei unerwartete Lernfähigkeiten.Diese Trainingsart ist ein wichtiger Bestandteil der Hundeerziehung und sollte nicht vernachlässigt werden.