hund beißtEin Hundebiss ist außer schmerzhaft auch eine gefährliche Überschreitung der Rudelordnung. Bereits Welpen probieren damit aus, wo ihre Grenzen liegen. Es ist Aufgabe des Hundebesitzers, schon jungen Hunden das Beißen abzugewöhnen. Sanfte Trainingsmethoden sind trotz des heftigen Schmerzes bei einem Biss zu bevorzugen. Klare Rollenverteilung in der menschlichen Gemeinschaft, vor allem gemeinsame Erziehung von Kind und Hund, entspannen Hunde und minimieren das Beißrisiko lebenslang.

Mögliche Auslöser für Beißen bei Hunden

Üblicherweise greifen Hunde zum Beißen als äußerstem Kommunikationsmittel nur, wenn ihrer Meinung nach gerade etwas Falsches passiert. Je nach Temperament kommen Angst, Rangkämpfe oder Revierverteidigung als Auslöser in Frage. Hundebesitzer sollten ihren Hund deshalb genau beobachten und rasch durch Umkonditionierung auf einen Biss reagieren.

Panikbeißen

Aus Stress wird für Hunde oft Angst. Können sie dieser nicht entfliehen, wird daraus in Sekundenschnelle Panik. Panik macht aggressiv. Der Biss ist der allerletzte Ausweg, sich als gestresst zu zeigen. Nicht selten kommt es zum Panikbiss, wenn sich wenig bekannte Menschen rücksichtlos zum Streicheln direkt über den Kopf eines Hundes beugen. Oder der Hund liegt im Körbchen, eigentlich müde, und jemand redet und streichelt immer weiter auf ihn ein.

Platznot und Angst sind weitere Beispiele für plötzliche Aggressivität und somit einen Hundebiss. In allen Fällen kann der Mensch deeskalierend auf Hund und andere Menschen einwirken. Durch gezielte Desensibilisierung lassen sich unvermeidliche Stresssituationen sogar trainieren. Der Hund wird dann zwar weiter deutlich seinen Stress anzeigen, erträgt diesen aber allmählich besser. Ein ungestörter Fressplatz und ein ruhiger Rückzugsort bewirken bei Panikbeißern sichtliche Entspannung.

Beißen zur Revierverteidigung

Manche Hunderassen wurden extra dafür gezüchtet, das Revier ihrer Besitzer mit Fängen und Pfoten zu verteidigen. Diesen Hunden das Beißen bei vermeintlichen Revierüberschreitungen abzugewöhnen, erfordert lebenslange Konsequenz. Wer sich diesem Stress nicht aussetzen möchte, sollte sich vor Anschaffung eines Hundes über die Rasseeigenschaften informieren. Denn ein Revierverteidiger sieht im Verteidigen des Reviers seine Aufgabe.

Er leidet darunter, wenn ihm diese Aufgabe lebenslang entzogen wird. Beißen kann dann nicht nur zur Verteidigung, sondern auch aus Stress und somit aus Menschen geförderter Aggressivität zum Dauerrisiko für Gäste und Familie werden. Mehr zum Thema Hundeerziehung erfahren Sie auf unserer ausführlichen Startseite.

Beißen als Versuch des Rangaufstiegs

Im natürlichen Rudel wird die Rangordnung immer sofort durch Beißen geklärt, wenn ein Hund die festgelegten Grenzen überschreitet. Durch stete Gleichbehandlung jedes Rangs lassen sich solche Streitigkeiten vermeiden. Dies gilt umso mehr für Hundebesitzer. Denn Zugeständnisse an den Hund kann dieser als Aufforderung zum Rangaufstieg verstehen. Er wird versuchen, diesen Aufstieg durch Beißen zu bestätigen oder zu verlangen.

Gibt es dagegen selbst in großen Familien für jeden Menschen und den Hund einen festen Platz mit festen Zugeständnissen und Verboten, ist Beißen nicht nötig. Rangkämpfe mit Beißfolge sind gleichzeitig ein Zeichen von Unsicherheit. Für jeden Hund ist die genaue Zuordnung seines Rangs im Rudel überlebenswichtig. Er versucht im Zweifelsfall, durch Beißen und somit die Rangänderung seine vermeintlichen Überlebenschancen zu verbessern.

Besonders riskant: Bisse von Hunden gegen Kinder

Kinder, die mit Hunden aufwachsen, entwickeln ein besseres Verständnis für das Verhalten der Vierbeiner. Doch viele Eltern glauben, Kind und Hund könnten sich problemlos gegenseitig erziehen. Das funktioniert nur bedingt. Denn kleine Kinder werden von erwachsenen Hunden keinesfalls als ranghöhere Rudelmitglieder behandelt. Sie haben bis mindestens zum siebten Lebensjahr den Status eines Welpen. Welpen werden im Wolfsrudel viel strenger behandelt als ein Menschenkind im Menschenrudel. Wer dies weiß, kann durch intensive Aufsicht und rechtzeitiges Einwirken auf Kind und Hund die nötigen Grenzen ziehen.

Sanfter Umgang kleiner Kinderfinger mit den Ohren, Lefzen und der Rute des Hundes lehrt den Hund, dass er nicht auf jede Grenzüberschreitung aggressiv reagieren muss. Dennoch ist dauerhafte Aufsicht beider Rudelmitglieder, also der Kinder sowie des Hundes, dringend nötig, um Bissverletzungen von Kindern zu vermeiden. Immerhin ist bei ihrem noch zarten Körper jeder Biss eine äußerst schmerzhafte Erfahrung.

Dadurch kann intensive Angst vor Hunden entstehen. Riechen Hunde Angst – auch bei erwachsenen Menschen -, werten sie dies als potenzielle Gefahr. Der Teufelskreis aus Angstbiss und ängstlicher Menschenreaktion kann dann eine Kette der Ablehnung in Gang setzen, die bis zur nötigen Weggabe des Hundes führen kann. Besser achten die Menschen im Rudel auf ihre Schwächsten, wie dies auch Wölfe tun würden. Dann ist das Beißrisiko gegen Kinder deutlich minimiert.

Abhilfe gegen Beißen: Verändern der Trainingsmethoden

Konsequenz im Alltag ist für das Anti-Beiß-Training unbedingte Voraussetzung. Alle Familienmitglieder müssen ab sofort zusammenarbeiten. Dadurch lernt der Hund, dass sein aggressives Verhalten nichts an der festen Rangordnung im Rudel ändert. Zusätzlich ist in beinahe jedem Fall ein begleitetes Training in einer geeigneten Hundeschule nötig. Hier werden Aspekte wie höhere Widerstandskraft gegen Stress, Desensibilisierung in riskanten Situationen und Alternativen zum Beißen geübt.

Mensch und Hund lernen dabei, aufmerksamer miteinander umzugehen. Die Körpersprache und Befehlssignale zwischen Hundebesitzer und Hund müssen klarer werden. Auf diese Weise wird dem Hund Sicherheit vermittelt. In sicherem Umfeld verhält er sich gehorsamer. Falls ein sehr dominanter Hund trainiert wird, lernt dieser im Training seine Grenzen deutlicher kennen. In beinahe jedem Fall von beißenden Hunden wird das Tier viel toleranter, wenn es nicht mehr in Situationen gerät, die förmlich einen Rangkampf provozieren.

Trotz des nötigen Zeitaufwandes lohnt sich diese Veränderung lebenslang. Entspannte Menschen haben nach der Praxiserfahrung auch deutlich entspannte Hunde. Auch in Haushalten mit einem oder mehreren Kindern bedeutet dies eine Entlastung für das komplette „gemischte Rudel“.

Menschenerziehung gehört zur klaren Kommunikation

„Das Problem befindet sich immer am anderen Ende der Leine.“ (Verfasser unbekannt) Dem Hundebesitzer muss klar sein, dass sein Handeln die Reaktion des Hundes verursacht. Handelt der Mensch nicht, fordert er den Hund zur Eigenverantwortlichkeit auf. Zeigt sich der Mensch „schwach“, also unsicher, ängstlich oder in seinem Verhalten unberechenbar, wird jeder Hund durch riskantes Verhalten und schlimmstenfalls Beißen darauf reagieren. Es ist seine Art, Klarheit zu verlangen. Im Sinne der familiären Harmonie sowie der Sicherheit für Hundebesitzer und Umfeld gehört Klarheit zur wichtigsten Lektion in Sachen Kommunikation mit Hunden. Diese lässt sich erzieherisch tatsächlich auch bei Menschen antrainieren.

Fazit

Kein Hund beißt ohne Grund, niemals böswillig, sondern stets in Reaktion auf Stress und menschliche Unsicherheit. Aufmerksamer Umgang miteinander, klare Kommunikation und bei Bedarf ein familienfreundliches Gehorsamkeitstraining minimieren das Beißrisiko. Wo Kinder im Haushalt mit Hund leben, können Kind und Hund bei richtiger Aufsicht und Erziehung harmonisch und liebevoll ohne Beißen miteinander aufwachsen.