hund bellt„Aber der Züchter hat doch gesagt, das ist ein ganz Stiller!“ – So berichten viele Hundehalter von ihrem auf einmal lautstarken Hund, der schier nicht mehr zu bremsen ist. Probleme mit der Nachbarschaft können dabei ebenso die Folge sein wie eine Erkrankung der Stimmbänder beim Hund. Je schneller die Ursachen für übermäßiges Bellen gefunden sind, umso rascher können Hund und Mensch wieder gelassen und harmonisch im „Rudel“ zusammenleben.

Hund bellt: Ursachenforschung

Manche Ursachen für übermäßiges Bellen lassen sich klar zuordnen. Es ist aber auch möglich, dass ein Hund durch mehrere Faktoren zu seinem Verhalten animiert wird. Daher sollten Hundehalter die häufigsten und typischsten Ursachen zunächst für ihren Vierbeiner analysieren:

Rassebedingte Ursachen für häufiges Bellen

Wer sich einen Spitz anschafft, sollte von vornherein wissen, dass die ängstliche Natur dieser Rassen Bellen schon aus Prinzip und Vorsicht verlangt. Ebenso sind der Cirneco dell’Etna oder der Tibet-Terrier ausdrückliche „Meldehunde“ – der eine für Beute, der andere für mutmaßliche Einbrecher in tibetanische Klöster. Die Gene solcher Hunde verlangen das Bellen förmlich. Gleiches gilt für Dienst- und Wachhunde wie Rottweiler oder Deutschen Schäferhund.

Dagegen verhalten sich die meisten Windspiele wie der Whippet oder Afghane, Familienhunde wie Deutsche Dogge oder Golden Retriever sowie Begleithunde eher still. Allein die Wahl der Rasse ist allerdings keine Gewähr dafür, dass der Hund nicht doch plötzlich oder in zunehmendem Maße alles und jeden anbellt.

Unterforderung und Langeweile als mögliche Ursachen

Jeder Hund richtet ab dem Augenblick der Anschaffung seine ganze Aufmerksamkeit auf sein neues Umfeld. Vor allem Hunde in Alleinhaltung suchen ihren Platz, ihre Aufgabe im „Rudel“. Bekommen sie von ihren Besitzern keine zugewiesen, kann übermäßiges Bellen ein regelrechtes Einfordern der Beschäftigung bedeuten.

Der stillste Hütehund kann sich bei Überforderung zum lautstarken Familientyrannen entwickeln. Denn mangels Alternativen interpretieren Hunde bald jedes Geräusch und jede Bewegung im Territorium als unausgesprochene Aufforderung zum Melden oder Wachen.

Missverstandenes Schutzverhalten als Ursache

Angst und Liebe stecken in jedem Hund von Natur aus als Grundgefühle. Um beides in Harmonie zu halten, braucht der Vierbeiner eine zuverlässige Rolle in seiner menschlichen Umgebung. Ist dies nicht möglich, etwa in Haushalten mit vielen Familienmitgliedern, in einem insgesamt unruhigen, womöglich unfriedlichen Menschenrudel, dann fühlt sich der Hund dazu verpflichtet, die seiner Meinung nach schwachen Rudelmitglieder zu beschützen.

Übermäßiges Bellen aus diesem Grund kann häufig nach Trennungen, Wegzügen von Familienmitgliedern oder in insgesamt uneinigen Familien beobachtet werden. Denn das Bestreben jedes Hundes ist Sicherheit. Die hat er aus seiner Lebenssicht dann, wenn die Liebe im Rudel größer ist als die Angst vor Veränderungen.

Bellursache Angst aus Vorsicht oder Erfahrung

Gewinnt die Angst im Hund die Oberhand, dann kann dies zu übertrieben vorsichtigem Verhalten führen. Ohne bestimmten Grund wird vorsichtshalber jeder Gast verbellt, jedes Geräusch im Haus als Gefahr gemeldet und selbst der Besitzer zur Begrüßung angebellt – auch dies vorsichtshalber, um stärker und weniger ängstlich zu wirken. Eine andere Angstursache können schlechte Erfahrungen mit bestimmten Situationen, Menschen oder Tieren sein. Aber auch eine solche Erfahrung mitsamt der unangenehmen Begleiterscheinung lässt sich mit Geduld, Konsequenz und gutem Beispiel wieder in bessere Gelassenheit umwandeln.

Nachahmung als Ursache für Bellen

Und dann sind da noch diejenigen Hundebesitzer, die gern streiten oder zumindest von Natur aus als kommunikationsstark einzustufen sind. Tatsächlich kann häufiges lautes Gespräch innerhalb der Familie, bei Begegnungen mit anderen Hundebesitzern oder mit anderen Menschen wie Nachbarn und Passanten intelligente Hunde zur Nachahmung anregen. Redet der Mensch in einem solchen Fall auf seinen Hund ein, um diesen vom Bellen abzuhalten, passiert genau das Gegenteil.

Der Hund freut sich darüber, dass sein Besitzer mitbellt und verlängert das „Konzert“ mit wachsender Begeisterung. Eine klare Körpersprache und verständliche Hundeerziehung klären dieses Missverständnis auf.

Umgebungsbedingtes Stressbellen und gefährliche Wechselreaktionen

Hunde mögen weder häufige Veränderungen noch Unregelmäßigkeit in ihren Abläufen und schon gar keine Reizüberflutung. In einer Lebensumgebung mit viel Stress ist häufiges Bellen Ausdruck der Überforderung, ganz so, wie genervte Menschen häufiger streiten als gelassene Zweibeiner.

Stress in der Umgebung muss von den Besitzern dringend reduziert werden, da daraus auch Verletzungsrisiken entstehen können. Durchaus neigen Hunde unter Dauerstress eher zum Entwickeln von Verhaltensstörungen als Hunde in sicherer und steter Umgebung.

Problem erkannt, Problem gebannt: Abhilfe durch Umkonditionierung

Jedes übermäßige Bellen lässt sich umkonditionieren, ist erst einmal die Hauptursache erkannt. Wichtig ist dabei die Disziplin der Hundebesitzer ebenso wie konsequente Wiederholung bestimmter Lektionen. Vor allem Lob in den Bellpausen fördert die Erkenntnis der Hunde, dass die unnötige Anstrengung weniger honoriert wird als die Mühe in akustische Zurückhaltung. Diese folgenden Umkonditionierungen bewähren sich dabei am besten:

Rassebedingt: Meldeaufgabe von Bellen auf andere Aufgaben umkonditionieren

Melden als Rassepflicht entspricht dem genetischen Wunsch eines solchen Hundes, seine vermeintliche Aufgabe sorgsam zu erfüllen. Ebenso eifrig wird er aber auch still sein, wenn er statt für die „Meldung“ nur für das Herkommen und stumme Anzeigen gelobt wird. Keinesfalls darf übermäßiges Bellen eines Tibet-Terriers und anderer Vielkläffer kommentiert werden (siehe Ursache Nachahmung). Eine gute Möglichkeit dieser Umkonditionierung kann es sein, beim Klingeln der Haustür oder beim Eintreffen von Besuch den Hund ausdrücklich zum Apportieren von Kleinigkeiten aufzufordern.

Soweit möglich, sollten Gäste und Familie in den Trick eingeweiht werden. Der Hund erhält für das stumme „Übergeben“ von allen Seiten Lob und wird bei ausreichendem Training schon automatisch zum Versteck der „Geschenke“ rennen, statt zur Haustür zu kläffen. Der Trick funktioniert übrigens auch im Freien, beispielsweise am Zaun. Ein umkonditionierter Meldehund trägt dann „Beute“ statt Gekläffe am Zaun oder Hoftor entlang.

Langeweile und Einsamkeit kompensieren

Auch ansonsten stillere Hunde begeistern sich lebenslang für eine feste oder wechselnde Aufgaben. Nur ein Kauknochen als Beschäftigung reicht kaum aus, die Lust auf Anforderungen dauerhaft zu stillen. Auch Hunde, die aus Einsamkeit nach ihrem Rudel bellen, bleiben länger still, wenn sie gelernt haben, während der Zeiten allein etwas zu bewältigen.

Beispielsweise kann in Zeiten des Smart Phones während der Abwesenheit der Besitzer eine automatische Ansprache mit Sensorfunktion den Hund darin bestätigen, dass es gerade richtig war, nach dem Jagdbeutel zu suchen statt zur Haustür zu kläffen. In Anwesenheit der Besitzer gilt wieder: Training mit viel Lob fördert die akustische Zurückhaltung und langfristig das Unterlassen von übermäßigem Bellen aus Langeweile.

Reicht das häusliche Training nicht aus, um einen Hund auszulasten, sollten tägliche Powereinheiten beim Agility, Dog Dancing und anderen Hundesportarten ausprobiert werden. Die am besten geeignete Trainingsmethode führt langfristig dazu, dass der Hund die restliche Zeit des Tages einfach nur ruhen möchte und Bellen höchstens aus Gewohnheit oder im Traum sowie seltener stattfindet.

Desensibilisierung gegen Bellen aus Angst oder Stress

Auch eine sehr stille Umgebung kann einen Hund zum übermäßigen Bellen veranlassen. Stille ist in einem Hunderudel nicht typisch und führt dadurch zur Meldung bei jedem Geräusch von draußen. Besonders unruhige Umfelder verstärken Stress bei ohnehin sensiblen Hunden, ebenso wie Angst durch Stress unverhältnismäßig verstärkt werden kann. Hier muss unbedingt eine Desensibilisierung erfolgen, am besten mit einem erfahrenen Hundetrainer.

Stresssensible Hunde und Angstkläffer werden stiller, je häufiger sie Lob bei einem tonlosen Gang durch belebte Einkaufspassagen oder entlang befahrener Straßen sowie auf Gassiwegen mit vielen anderen Hunden und Menschen erfahren. Hunde mit diesem Problem sind darauf angewiesen, dass die Densensibilisierung lebenslang immer weiter fortgeführt wird. Sanft, aber allmählich legt sich dann die Aufregung, die zum übermäßigen Bellen führt.

Hundebellen: Unser Fazit

Lernen durch Erfahrung sowie viel Loben helfen am besten gegen übermäßiges Bellen von Hunden. Allerdings erfordert jede Ursache eine andere Behandlung für den besten Erfolg. Insgesamt ist das Abgewöhnen auch für die Hunde selbst eine entspannende Maßnahme, die das Miteinander im Menschenrudel sowie mit Nachbarn und Besuchern deutlich vereinfacht.