hund zieht an leineDas Laufen mit Halsband widerspricht dem natürlichen Empfinden von Hunden ausgerechnet in diesem Bereich. Deshalb ist ständiges Training nötig, um die Leinenführigkeit zu verbessern. In besonders hartnäckigen Fällen bewähren sich drei Methoden, den Zerrzwang zu minimieren. Stets muss darauf geachtet werden, dass bei den Trainingsanfängen keine versehentliche Verletzung des Hundes erfolgt. Denn nur bei freudiger Erfahrung wird der Vierbeiner künftig locker an der Leine laufen.

Hund zieht an der Leine – Ursachenforschung

Der Hals ist bei Hunden ein intensives Kommunikationszentrum. Die Berührung der verschiedenen Halsbereiche gehört zu festen Rudelregeln. Von oben berührt der Chef, von rechts und links gleichrangige Freunde (und Geschwister), von unten die rangniederen Mitglieder. Dieses Konzept lässt sich beim Spiel mehrerer Hunde gut beobachten. Nun bekommt der Welpe aber etwas um den Hals, das ihn von allen Seiten gleichzeitig berührt.

Diese Ersterfahrung löst mindestens Unsicherheit, manchmal im ersten Augenblick Panik aus. Trotz zunehmender Erfahrung mit Halsband und Leine bleibt aber ein Teil der Verwirrung bestehen. Es liegt also am Hundebesitzer, die Leinenführigkeit geduldig zu trainieren. Dadurch kann der Hund den Drang verlieren, von den Überempfindungen wegzukommen. Allerdings sind Hunde auch Charakterköpfe und probieren gern aus, ob das Zerren an der Leine nicht doch den Sprint in die eigene, gewünschte Richtung beschleunigt.

Deshalb muss in jedem Fall jeder Hund lernen, dass Zerren nicht zum Erfolg führt und das Halsband dadurch nicht verschwindet. Die Trainingseinheit Leinenführigkeit liegt auch im eigenen Interesse der Vierbeiner. Denn so sind sie auf jedem Weg in Sicherheit unter dem Schutz ihrer menschlichen Besitzer.

Wirkungsvolles Anti-Zieh-Training für bessere Leinenführigkeit

Das starke Ziehen an der Leine ist für Mensch und Hund anstrengend. Statt gelassener Gassirunden steht Muskelkraft gegen Vorwärtsdrang. Wenn Kommandos und gutes Zureden nicht helfen, bewähren sich die folgenden drei Trainingsmethoden gut für künftig mehr Gemütlichkeit beim Spaziergang:

Trainingsmethode Eins: Nicht der Mensch, sondern der Hund wird ausgeführt

Bei manchen Hunden scheint das Zerren an der Leine so mächtig, als würden sie ihre Besitzer höchstens als unvermeidlich hinter sich herschleppen. Die Eigendynamik kann vom anderen Ende der Leine simpel gestoppt werden. Dazu bleibt der Besitzer einfach stehen. Anfangs ist dazu ein enormer Kraftaufwand nötig. Mit etwas Übung lernt der Hund allerdings, dass dieser menschliche Pfosten sich nicht vom Fleck bewegt, egal, wieviel mehr Energie der Vierbeiner in die Vorwärtsbewegung aufwendet.

Wichtig: Sofort, wenn die Leine locker wird, bewegt sich der Mensch wieder. Nächstes Ziehen – nächster Stopp.

Worte sind nicht nötig, um das Prinzip zu erklären. Der Hund möchte Gassi gehen, schnuppern, sich bewegen. Dieses Ziel erreicht er mit weniger Unterbrechungen, wenn er nicht an der Leine zieht. Spätestens nach zwei, drei Gassigängen setzt das Erinnerungsvermögen immer häufiger ein. Bald genügen wenige Stopps, und beide Enden der Leinen bewegen sich mit weniger Anstrengung und mehr gemeinsamer Freude vorwärts.

Trainingsmethode Zwei: Nicht der Hund, sondern der Mensch bestimmt die Richtung

Richtig frische Spuren unterstützen den Drang vieler Hunde zusätzlich, der Frische nach in eine Richtung zu drängen. Zunächst wird einige Male Trainingsmethode Eins (Ziehen – Stopp – Leine locker – weiter) geübt. Aber beim zweiten oder dritten Lockerlassen der Leine läuft der Hundebesitzer in eine andere Gassirichtung. Hierfür dürfen Leckerli und wörtliches Locken mitgenutzt werden. Bleibt der Hund stur, folgt wieder Trainingsmethode Eins. Der Hund lernt, dass seine Bemühungen zwecklos sind. Er wird die frische Spur verlassen und neue Fährten in der neuen Richtung aufnehmen.

Wichtig: Ein Ruck an der Leine unterstützt den Lernprozess nicht. Der Hund fühlt sich davon grundlos bestraft und wird je nach Charakter den Zweck des Richtungswechsels nicht verstehen. Außerdem besteht beim Riss an der Leine das Risiko von Verletzungen im Hals- und Nackenbereich.

Trainingsmethode Drei: Guck mal! Leckerli und Aufgaben als Ablenkung

Clickertraining, aufregende Ball- und Stöckchenspiele oder quietschende Spielzeuge sind Hunden ab einem gewissen Lern- und Lebensalter geläufig. Bei manchen Sturköpfen unterstützt eine solche Belohnung beim Nachlassen an der Leine die Lernfreudigkeit. Allerdings erfordert Trainingsmethode Drei ein präzises Timing. Die Leine muss sicher locker sein, um den Belohneffekt auszulösen. Fatal wäre es, wenn das Spielzeug genau in dem Augenblick quietscht, wo der Hund wieder zerrt. Falsche Bestätigung lässt sich erst durch völlig neuen Trainingsbeginn mit anderen Methoden und nur sehr langsam wieder ausmerzen.

Wichtig: Können Hundebesitzer ein solches Timing nicht einhalten, sollte ein Hundetrainer diese dritte Trainingsmethode übernehmen. Dieser kann mit der nötigen Erfahrung auch ergründen, welche Auslöser für das Ziehen verantwortlich sind. Gegebenenfalls müssen gleichzeitig andere Verhaltensmuster geändert werden, was für Laien langfristig mehr Entspannung im Miteinander bedeutet.

Alternativen zum Halsband

Die Leinenführigkeit mit einem Halsband ist wegen der beschriebenen Reizüberflutung für besonders sensible Hunde dauerhaft problematisch. Diese drei Alternativen zeigen in der umsichtigen Praxis die wirkungsvollsten Ergebnisse:

Körperfreundliche Kraftverteilung mit dem Hundegeschirr

Eine hundefreundliche Alternative ist ein Geschirr. Seine Stränge halten den Hund überwiegend unter den Achseln der beiden Vorderläufe, mit geringerem Zug unter dem Bauch und ganz sanft im Bereich des vorderen Brustkorbs. Aus der Praxis selbst mit hartnäckigen Leinenzerrern zeigt sich eine sehr gute Akzeptanz für das Geschirr. Gleichzeitig scheint der Zwang zum Zerren um Welten geringer zu werden.

Selbst solche Sturköpfe, die aus Prinzip weiterziehen möchten, strengen sich beim Lauf im Geschirr nicht halb so stark an. Selbst bei anfänglich starkem Weiterzerren wird die Kraft nicht auf die Halsbereiche konzentriert, sondern schonend und somit entlastend über den ganzen eingeschirrten Rumpf verteilt.

Bei korrekter Anwendung effektive Lernmethode: Das Halti

In manchen Fällen arbeiten Hundetrainer mit einem sogenannten Halti. Das sieht wie ein zu leichter Maulkorb. Eine Seite des Haltis wird an der Leine befestigt, die andere Seite liegt locker um die Hundeschnauze. Der Kopfhalter umschließt die Schnauze des Hundes nur dann stark, wenn dieser Gegenkraft aufbringt. Allerdings kann höhere Gegenkraft bis zum schmerzhaften Schnauzenschluss führen.

Von der privaten Übung mit dem Halti ist deshalb abzuraten. Denn die Schnauze ist ein äußerst empfindlicher Körperteil beim Hund. Schmerzen in diesem Bereich könnten das wohlmeinende Training zu einer Stress- und Abwehrkonditionierung ausarten lassen.

Nur bedingt möglich, aber gute Übung gegen Ziehen: Kontrollierter Freilauf

Die beste Alternative zum Halsband ist der Freilauf. Wo immer dies möglich ist, kann mit jedem Hund unsichtbare Leinenführigkeit trainiert werden. In der Regel bleiben gut an der Leine trainierte Hunde automatisch nah beim Besitzer. Zu beobachten ist sogar, welche Vierbeiner schon Trainingsmethode Eins kennenlernten: Sie bleiben stehen, sobald der Besitzer zufällig stehen bleibt.

Wichtig: Freilauf darf nur auf ausdrücklich nicht mit Leinenzwang gekennzeichneten Wegen und Flächen geübt werden. Auch ist die Zuverlässigkeit des Hundes äußerstes Gebot für dieses Entgegenkommen. Denn beim Weglaufen könnten der eigene Hund, fremde Hunde, Wild oder Gegenstände gefährdet werden.

Fazit

Gegen das Ziehen an der Leine gibt es drei bewährte Trainingsmethoden. Geduld und Konsequenz sowie maximale Aufmerksamkeit steigern die raschen Erfolgsaussichten. Manche Alternativen zum Halsband können ebenfalls wirksam Abhilfe schaffen. Wie man stressfrei Hunde erziehen kann erfahren Sie auf unserem ausführlichen Ratgeber.