hund frisst grasFür die Frage des Grasfressens gibt es natürliche Erklärungen sowie Verhaltensstudien. Einige Mythen verbinden das Grasfressen bei Hunden mit Phänomenen der Umwelt. Das Verhalten selbst ist für den Hund harmlos bis wohltuend und somit kein Grund zur Sorge.

Natürliche Erklärung für den Instinkt des Grasfressens

Wenn Wölfe Pflanzenfresser erbeuten, streiten sich die Rudelmitglieder zuerst um Magen und Teile des Verdauungstraktes. Der Grund dahinter sind die Fermente im un- und halbverdauten Mageninhalt. Jene Mikroorganismen können Fleischfresser nicht über ihren Fleischkonsum aufnehmen.

Aber ohne die Mikroben wäre eine Verdauung nicht möglich. Der Hund mit seiner ausgewogenen Vollnahrung ist eigentlich nicht mehr auf solche Beute angewiesen. Dennoch enthält das wenige Gras noch immer Mikroorganismen, die für die Darmflora von Fleischfressern lebenswichtig sind.

Allerdings ist die Menge des gefressenen Grases üblicherweise nicht ausreichend, um einen etwaigen Mangel an nützlichen Bakterien auszugleichen. Eher ist dieses Verhalten beim Grasfressen ein genetisches Überbleibsel der einstigen wölfischen Gewohnheiten.

Wenn Hunde auffällig viel und hektisch Gras fressen

Das Grasfressen nutzen Hunde gelegentlich, um ein magenbedingtes Unwohlsein zu neutralisieren. In der Hundepraxis sind Fälle von wahren Fressanfällen bekannt, nach denen die Hunde sich heftig übergeben müssen. In der Regel kommt beim Erbrechen ein Fremdkörper zum Vorschein, der den Magen unter Umständen belastet hat.

Somit hat der Hund sich instinktiv selbst entgiftet. Verhaltensbedingt neigen manche Hunde zum Grasfressen, wenn sie während eines Spaziergangs unter besonderer Aufregung leiden. Stress bei auftauchenden Gefahren oder mangelnde Aufmerksamkeit des Hundebesitzers lösen das Symptom aus.

Zu beobachten ist ein besonders hektisches, beinahe wütendes Grasfressen auch bei Hunden im oder aus dem Tierheim. Die Vierbeiner bauen damit Stress auf gesunde Weise ab. Denn Gras schmeckt den meisten Hunden offensichtlich gut.

Der Querschnitt der Beobachtungen zeigt Folgendes:

Hunde gleichen einen Mangel aus, wenn sie Gras fressen. Das kann ein körperlicher Mangel an nützlichen Darmbakterien oder an Wohlbefinden sein. Oder es ist ein Verhalten, um Langeweile, Stress oder Aufregung zu kompensieren.

Hunde dürfen Gras in beliebiger Menge fressen. Die Halme werden später unverdaut wieder ausgeschieden. Eine Gefahr geht von unbehandelten Gräsern auf Wiesen oder dem heimischen Rasen nicht aus. Verdautes Gras liefert ein Extra an Darmbakterien und nützliche Spurenelemente. Auch gut ernährte Hunde profitieren davon mit guter Vitalität. Notwendig ist diese Eigenart allerdings nicht.

Mythen um das Grasfress-Phänomen bei Hunden

Mythos Eins: Hektisches Grasfressen bei Hunden kündigt Regen an. Wahrheit oder Aberglaube?

Hunde sind extrem wetterfühlig. Häufig geht einem baldigen Regen ein Gewitter voraus. Sensible Hunde geraten schon Stunden davor in Aufregung. Wenn sie also intensiv zu grasen beginnen, bauen sie damit den Wetterstress ab. Somit ist die Beobachtung durchaus realistisch. Allerdings reagieren manche Hunde auch auf Wetterfronten weitab vom eigenen Territorium.

Selbst, wenn es also auf dem eigenen Rasen in den nächsten Stunden nicht regnet, hat sich der Hund nicht geirrt. Er ahnte nur den Regen und reagierte darauf mit dem entsprechenden Stressabbau.

Mythos Zwei: Intensives Grasfressen soll die Geruchsspuren von anderen Tieren vernichten. Wahrheit oder Aberglaube?

Dieser Mythos ist schlichtweg freie Erfindung von wenig hundeerfahrenen Menschen. Denn viel effizienter wäre es, einfach über den fremden Geruch zu urinieren oder genau hier Kot abzusetzen. Außerdem würde kein vernünftiger Hund den fremden Geschmack derart intensiv in seinen Speiseplan aufnehmen wollen. Selbst die Geschmacksprobe mancher Rüden vom Urin läufiger Hündinnen wird nicht durch Grasfressen vorgenommen. Der Eigengeschmack des Grases würde solche Eindrücke nur verfälschen.

Mythos Drei: Grasfressende Hunde sind dominant oder verlangen Aufmerksamkeit. Wahrheit oder Aberglaube?

Tatsächlich neigen gelangweilte Hunde zum spontanen Grasfressen. Sie möchten von Natur aus der Mittelpunkt beim Gassigang sein. Unterhalten sich Hundebesitzer, und haben die Hunde untereinander kein Interesse, überbrücken sie die Langeweile mit Grasfressen. Nur selten ist dabei zunehmende Vehemenz mit Seitenblicken und zwischendurch dem Verscharren zu beobachten. Der Mythos enthält also ein Körnchen Wahrheit ohne Anspruch auf vollständige Richtigkeit.

Grasfressen – Risiko oder harmlose Eigenheit?

Die Menge des aufgenommenen Grases ist in der Regel für jeden Hund harmlos. Was davon im Körper verdaut wird, ist höchstenfalls eine angenehme Ergänzung der Darmflora. Riskant ist das Fressen von Gras auf unbekannten Wiesen. Diese könnten gedüngt sein und somit eine Vergiftungsgefahr für den grasenden Hund darstellen. Im eigenen Garten oder auf bekannt unbehandelten Wiesen darf das Verhalten gerne und ausgiebig toleriert werden.

Fazit

Warum Hunde Gras fressen, kann viele Gründe haben. Das Verhalten an und für sich ist völlig harmlos und für die Hundegesundheit eher förderlich. Einzig auf unbekannten Grasflächen sollten Hunde vom Grasfressen wegen der Gefahr von enthaltenen Schadstoffen abgehalten werden.Tipp: Hier erfahren Sie weiteres zum Thema Hundeerziehung.