körpersprache hundHunde können nicht sprechen, und das finden Menschen in bestimmten Situationen auch gut so. Aber diese Meinung ist falsch. Denn Hunde sind Meister der Kommunikation. Allerdings benutzen sie alle Sinne sowie ihren ganzen Körper dafür. Bellen macht nur einen kleinen Teil der Körpersprache aus. Bessere Kenntnis über die Körpersprache von Hunden schützt vor Missverständnissen und somit möglichen fatalen Folgen für Mensch und Tier.

Komponenten der Körpersprache von Hunden

Es ist ganz gut, dass Hunde mit dem Körper statt mit Worten sprechen. Denn wäre jede Komponente ihrer Körpersprache ein Wort, kämen die Hundebesitzer kaum noch selbst zum Reden. Diese folgenden Grundausdrücke sollte jeder Mensch von seinem Vierbeiner richtig interpretieren:

a) Die Rute bewegt sich an den meisten Hunden pausenlos in den unterschiedlichsten Stellungen.

  • Unten eingeklemmt: Angst, Unterwürfigkeit
  • Waagerechte, reglose Haltung: Aufmerksamkeit, Spannung
  • Leicht erhobenes, gemächliches Wedeln: Begrüßung, Freude
  • Leicht erhobenes, hektisches Wedeln: Stress, Anspannung, Aufregung
  • Hoch erhobene, reglose Rute: Drohgebärde
  • Still und nicht eingeklemmt am Körper: Tiefenentspannung, Gelassenheit, Vertrauen

b) Die Ohren wirken in Bewegung je nach Hundetyp auf Menschen „putzig“, sind es aber oft überhaupt nicht.

  • Schnelles Ohrenspiel (bei Schlappohren leicht aufgestellt): Unsicherheit, Spannung, Vorsicht
  • Ohren hoch aufgestellt, Muschelrichtung nach vorn: Aufmerksamkeit, Vorfreude
  • Ohren aufgestellt, Muschelrichtung seitlich bis leicht rückwärts: Vorsicht, Furcht, Anspannung
  • Ohren flach am Kopf nach hinten oder flach angepresst leicht nach unten: Angst, Beschwichtigung, Warnung
  • Ohren flach am Kopf, aber pausenlos auf und ab bewegt: Wiedersehensfreude, Spiellaune, Begrüßung

c) An den Augen ist viel über Hund und Laune abzulesen.

  • Blickkontakt groß und starr zum Hundebesitzer: Fixieren, Fordern, unter Hunden ein Rangspiel
  • Lider leicht gesenkt, Blick sanft etwas seitlich und nach unten: Betteln, Beschwichtigen
  • Augen groß, Weißes leicht sichtbar: Stress, Ablehnung, Warnung

d) Pfoten und Körper insgesamt sind das „große Sprachbuch“ in der Hundekommunikation.

  • Die bekannteste, freundliche Kommunikationsform von Pfoten und Körper bei Hunden ist die Spielaufforderung gegenüber Hunden und Menschen. Dazu wird der Oberkörper komplett auf den Boden gepresst, die Pfoten lang nach vorn oder eng neben die Schnauze postiert, der Hundepopo geht nach oben.
  • Sind dagegen die Schritte zögerlich und der Körper angespannt bis zitternd, wittert der Hund Gefahr oder begegnet gar unsympathischen Vier- oder Zweibeinern.
  • Zum Beschwichtigen senkt der Hund Schultern und engt seinen Gang absichtlich ein. Für einen bevorstehenden Kampf spannt sich der Körper an, die Pfoten werden absichtlich sanft, aber bestimmt gesetzt.
  • Ähnlich begegnen gleichgeschlechtliche Hunde einander: Sie beginnen in dieser Haltung von Körper und Pfoten einander zu umkreisen, bis das Imponiergehabe eines der Kontrahenten (auch bei Hündinnen zu sehen) den anderen beeindruckt und dieser wieder zu beschwichtigen beginnt.

e) Auch mit dem Fell drücken sich Hunde untereinander unmissverständlich aus.

  • Aufgestelltes Fell auf dem Hunderücken zeigt stets an, dass sich der Hund fürchtet oder auf einen Hundekampf einstellt. Beinahe in jeder Stresssituation kann dieses Phänomen beobachtet werden.
  • Schlimmste Formen von Angst, Anspannung oder Aufregung können zum plötzlich starken Fellausfall führen, was vor allem bei kurzhaarigen Hunden auftritt.

Funktionen der einzelnen Komponenten innerhalb des Rudels

Die erklärten Sprachkomponenten treten bei Hunden niemals allein auf. Dadurch wird das Verhalten innerhalb eines Wolfsrudels präzisiert, was Streitigkeiten minimiert. Im Umgang mit Menschen ist der Hund darauf angewiesen, dass sein Besitzer seine Laune richtig interpretiert. Nur so erreicht der Hund maximale Sicherheit. Aber nicht immer sind Menschen aufmerksam genug, auf die gezeigten Stimmungsanzeigen angemessen zu reagieren.

Empfehlenswert ist für Hundeanfänger ein gemeinsames Training der Familie mit dem Hund. Spezialisierte Hundetrainer verlangen dabei weniger Lernerfolge vom Hund als vielmehr eine enge Interaktion zwischen Mensch und Hund. Je früher beide Seiten aufeinander abgestimmt sind, desto erfolgreicher kann sich später der Hund ausdrücken.

Bessere Gelassenheit beim Hund und eine insgesamt angenehme Harmonie im „gemischten Rudel“ sind die lebenslangen Vorteile dieser anfänglichen Mühe.

Interpretationsfehler der menschlichen Körpersprache

Hunde leisten Großartiges in ihrem Bemühen, die menschliche Körpersprache richtig zu deuten. Bei guter Haltung lernen sie beispielsweise, dass ein wackelnder Arm nicht Gefahr bedeutet und nicht das Rascheln einer Tüte in menschlichen Händen automatisch Füttern verheißt. Der schönste Interpretationsfehler der menschlichen Körpersprache ist das menschliche Lachen.

Hunde versuchen dies nachzuahmen, sobald sie es ihrer eigenen Ausdrucksform der Freude und Beschwichtigung zuordnen. Die berühmtesten Hunde-„Lacher“ sind Dalmatiner. Ihrem Nachahmungsversuch ist auch die entsprechende Schnauzenhaltung als „Dalmatinerlächeln“ gewidmet.

Überwiegend ist das „Dalmatinerlächeln“ beim Begrüßen der Besitzer oder befreundeter Menschen aus dem Umfeld, bei Erleichterung nach Stresssituationen oder anderen gerade überstandenen Aufregungen zu beobachten. Gegenüber Artgenossen verhalten sich Hunde niemals so – ein sicheres Zeichen dafür, dass sie ihre eigene Körpersprache dem vollkommenen Hund und dem unvollkommenen Menschen sehr gut anpassen können.

Gefährliche Fehldeutung von Hundesignalen

Es stimmt nicht, dass ein Biss unausweichlich folgt, wenn Menschen das Weiße im Auge ihrer Hunde sehen. Sehr wohl aber deutet das Signal Stress und somit Unmut an. Besonders wichtig ist dieses Signal im Umgang mit den Kindern der Familie. Es ist die Aufgabe der Eltern und erwachsenen Verwandten, Kindern die Hundesprache beizubringen.

Dann können diese auf Weißes im Auge, Erstarrung oder sanftes Knurren rechtzeitig durch Rückzug oder Spielpausen eingehen. Die Behauptung, Hunde würden dies als Schwäche deuten und Rangkämpfe beginnen, ist Unsinn. Hunde brauchen genau wie Menschen Freiraum. Sie haben nur die Möglichkeit, ihr Unwohlsein mit dem Körper kundzutun.

Eine weitere, häufige Fehldeutung ist die automatische Verknüpfung des Schwanzwedelns mit Freundlichkeit. Denn unter Stress, Unsicherheit und in Angst bewegt sich die Rute schnell und hart, bis hin zum heftigen „Propellergang“. Ein Berühren in einem solchen Augenblick der Erregung steigert das Risiko eines Hundebisses und kann sich langfristig nachteilig auf das Vertrauen zwischen Mensch und Hund auswirken.

Kommunikation über Körpersprache gemeinsam erlernen

Es muss Hunden erlaubt sein, innerhalb des eigenen Rangs im Rudel Grenzen der Nähe zu setzen. Nur so ist langfristig ein entspanntes Miteinander möglich. Aus diesem Grund sind Lektionen mit Hundeprofis empfehlenswert, am besten in der heimischen Umgebung des Hundes. Bei Welpen genügt die Aufmerksamkeit der Besitzer, die Signale richtig zu deuten und zu beantworten.

Bei erwachsenen Hunden mit unbekannter Vergangenheit können Missverständnisse ein etwaiges Trauma verstärken. Für sie ist das gemeinsame Lernen mit den neuen Hundebesitzern besonders wichtig. Den Lernprozess sollten nicht allein der direkte Hundebesitzer und sein Hund durchlaufen. Mitbewohner und regelmäßige Besucher profitieren vom Training der Körpersprache ebenfalls.

Denn je sicherer sich ein Hund der Körpersprache seines Rudels und dessen Freunde sein kann, desto gelassener geht er mit all diesen Menschen um. Erfahrene Hundebesitzer berichten vom Erlernen der Körpersprache ihrer Hunde gleichzeitig von einer neuen Eigenerfahrung.

Denn durch richtiges Beantworten mit der menschlichen Körpersprache gelingen Training, Gehorsam und wortlose Kommunikation im Rudel viel klarer. Das kann sich langfristig sogar auf die Klarheit in der Mensch-Mensch-Kommunikation auswirken.

Problem Zuchthunde: Rassetypischer Mangel an gestischer Körpersprache

Leider haben die ersten Hundezüchter auf die Bedeutung aller Körperteile des Hundes für dessen Ausdrucksfähigkeit wenig geachtet. So kommt es, dass Yorkshire-Terrier, Mops und andere Modezüchtungen von anderen Hunden gelegentlich mit Beute verwechselt und angegriffen werden.

Wenn auch selten, so liegt der Grund ganz simpel in dem körperlichen Defizit solcher Rassehunde. Sie können weder deutlich beschwichtigen noch imponieren oder ihre freundlichen Absichten anzeigen. Selbst Bellen als Körpersignal ist bei bestimmten Hunden mangelhaft ausgeprägt.

Ein Hundetraining hilft gegen solche Handicaps nicht – wohl aber die besondere Aufmerksamkeit der Hundebesitzer. Wenn wenigstens sie sich eine für Hunde klare Körpersprache angewöhnen, sehen andere Hunde unter Umständen an der menschlichen Haltung, dass der Hund an der Leine ein Artgenosse ist und keine Gefahr oder Beutesituation vorherrscht.

Fazit

Die Körpersprache von Hunden ist komplex. Alle Körperteile in Kombination zeigen Stimmung und Absicht gegenüber Artgenossen unmissverständlich an. Durch Aufmerksamkeit und gemeinsames Training lernen auch Hundebesitzer, sich wortlos klar auszudrücken. Dies gibt dem Hund mehr Sicherheit und bedeutet für das ganze Mensch-Hund-Rudel ein entspanntes, deutliches Miteinander.